Teil eines Werkes 
45. Band, Ivanhoe : 3. Theil (1827)
Entstehung
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ter von Gottes auserwaͤhltem Volk nicht eben ſo muthig zu ſterben wuͤßte, als das ſtolzeſte Nazarenermaͤdchen, das ſich mit ſeiner Abkunſt aus dem kalten, eiſigen Norden bruͤſtet!

Dann blickte ſie uͤber das Lager des verwundeten Ritters hin.

Er ſchlaͤft! ſagte ſie;ſeine von Leiden und geiſtiger Aufreizung erſchoͤpfte Natur ergreift den er⸗ ſten Augenblick zeitiger Ruhe, um ſich dem Schlum⸗ mer zu uͤberlaſſen. Iſt es ein Verbrechen, auf ihn mein Auge zu richten, wenn es vielleicht zum lez⸗ ten Mal geſchieht? Vielleicht enteilt nur noch eine kurze Weile, und dieſe ſchoͤnen Zuͤge werden nicht mehr von dem kuͤhnen feurigen Geiſt belebt, deſſen Ausdruck ſelbſt im Schlafe ſie nicht verlaͤßt. Wenn kein Athem ihn mehr bewegt, der Mund geſchloſſen iſt⸗ die Augen ſtarr und gebrochen ſind, wenn der edle Ritter vielleicht von dem Fußtritt des niedrigſten Sklaven dieſes mit Fluch belaſteten Schloſſes bedroht wird, und ſich nicht mehr aufzuraffen vermag, wenn die Ferſe ſich gegen ihn erhebt! Und mein Va⸗ ter! ach mein Vater! Uebel ſteht es mit ſeiner Tochter, wenn ſie ſeine grauen Haare uͤber den gold⸗ nen Locken der Jugend vergißt! Kann ich wiſſen, ob dieſe Schrecken nicht vielleicht die Boten von Je⸗ hovens Zorn uͤber das unnatuͤrliche Kind ſind, das uͤber der Gefangenſchaft eines Fremdlings die ſeines Vaters vergißt? Aber ich will dieſe Thorheit aus