15⁵ blick der herzlichſten Zuneigung und Liebe. Dle leb⸗ hafte Aufreizung„res Innern laͤßt uns der ge⸗ wohnten Vorſicht vergeſſen und verraͤth die tief ver⸗ borgenen Empfindungen, die unſre Klugheit uns in ruhigeren Angenblicken verbergen, wo nicht voͤllig un⸗ terdruͤcken laͤßt. Als ſich Rebekka wieder an Jvanhoe's Seite fand, erſtaunte ſie uͤber den kuͤhnen Aufflug von Freude, die ihre Seele durchzuͤckte, in dem Mo⸗ ment, wo nur Gefahr, wenn nicht Verzweiflung rund um ſie rang. Als ſie ſeinen Pulsſchlag unter⸗ fuchte und nach ſeinem Befinden fragte, war ihre Beruͤhrung, der Ton ihrer Stimme ſo ſanft, daß ſie einen viel lebhafteren Antheil verrieth, als ſie zei⸗
gen wollte. Ihre Stimme ſtockte, ihre Hand zitterte,
und nur die kalte Frage Jvanhves:„Biſt Du es, liebes Maͤdchen?“ rief ſie wieder zu ihr ſelbſt zuruͤck, und mahnte ſie, daß ihre Empfindungen weder koͤnn⸗ ten, noch duͤrften erwiedert werden. Ein kaum hoͤr⸗ barer Seufzer ſtahl ſich aus ihrer Bruſt und ihre wei⸗ teren Fragen uͤber den Geſundheitszuſtand des Rit⸗ ters trugen alle nur das Gepraͤge ruhiger Freund⸗ ſchaft. Ivanhoe antwortete ihr haſtig, daß er ſich wohl und wohler fuͤhlte, als er erwarten koͤnnte— „gedankt ſei es,“ ſprach er,„Deiner huͤlfreichen Kunſt, theure Rebekka,.“
„Er nennt mich theure Rebekka,“ dachte das Maͤd⸗ chen bei ſich,„allein der kalte und nachlaͤſſige Ton, in dem er's ſprach, ſtraft ſeine Rede Luͤgen.— Sein


