Teil eines Werkes 
104. Band, Robin der Rothe : 5. Theil (1828) Rob Roy
Entstehung
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ich lange und gluͤcklich mit Diana lebte, du weißt wie ich ſte beweinte, aber Du weißt nicht, du kannſt nicht wiſſen, wie ſehr ſie der Thraͤnen ihres Gatten werth war.

Ich habe Dir keine romantiſche Abentheuer zu erzaͤh⸗ len, auch ſonſt weiter nichts mitzutheilen, da die ſpaͤtern Ereigniſſe meines Lebens dem Freunde ſo wohl bekannt ſind, der meine Freuden und meine Leiden ſo liebreich theilte. Ich beſuchte Schottland oft, aber nie ſah ich den kuͤhnen Hochlaͤnder wieder, der auf die fruͤhern Ereigniſſe meines Lebens einen ſolchen Einfluß gehabt hatte. Ich erfuhr indeß von Zeit zu Zeit, daß er ſich immer noch trotz aller Macht ſeiner Feinde in den Bergen um den Lomondſee behaupte, ja ſogar in ſeinem ſelbſtgewaͤhlten Amte als Beſchuͤtzer der Grafſchaft Lennor bis zu einem gewiſſen Grade geduldet werde, und ſein Schutzgeld ſo re⸗⸗ gelmaͤßis erhob, als ein Eigenthuͤmer ſeine Renten. Man haͤtte erwarten ſollen, daß ſein Leben ein gewaltſames Ende nehmen ſollte, aber er ſtarb in hohem Alter eines friedlichen Todes ungefaͤhr im Jahr 1736, und lebt noch im Andenken ſeiner Landsleute als der ſchottiſche Robin Hood, das Schrecken der Reichen, aber der Freund der Armen, der mehrere Eigenſchaften des Geiſtes und Her⸗ zeus beſaß, die einem minder zweideutigen Beruf zur Ehre gereicht haͤtten, als wozu ihn ſein Schickſal verdammte.

Der alte Andreas Gutdienſt, den du als Gaͤrtner zu Osbaldiſtone⸗Hall gekannt haſt, pflegte zu ſagen:es giebt viele Dinge, die zu ſchlecht ſind, um ſie zu loben, und zu gut, um ſie zu tadeln⸗ wie Robin der Rothe.