124 nichts; es iſt zwiſchen den Einwohnern faſt gar kein Unterſchied. Da gibt es weder Herren noch Knechte, weder Beamte noch Unterthaͤnige. Alle Gleichheit, die ſich mit dem geſellſchaftlichen Zuſtande nur immer vertragen kann, iſt im Tyrol zu finden. Die Tyroler ſind ein lebhaftes und munteres Volk; ſie lieben die Weinflaſche und den Tanz, ſind Dichter aus dem Stegreife und nicht ſelten gute Muſiker. Damit ver⸗ binden ſie die kraͤftigeren Eigenſchaften des Bergbe⸗ wohners, der als Schaͤfer und Jaͤger in dem Gekluͤfte der Alpen oftmals in Lebensgefahr kommt. Die Ty⸗ roler ſind vielleicht die beſten Schuͤtzen in Europa, und die Bereitwilligkeit, mit der ſie dem Kriegsrufe Oeſter⸗ reichs ederzeit gefolgt ſind, beweist, daß ſie in ihren laͤnd⸗ lichen Beſchaͤftigungen den Sinn fuͤr kriegeriſche Unter⸗ nehmungen bewahrt haben. Ihre Obrigkeiten im Frieden n Anfuͤhrer im Kriege unterſcheiden ſich von dem uͤbrigen Volke durch nichts, als durch ihre Einſichten und ihren geſunden Menſchenver ſtand; und da ſich dieſe Eigen⸗ ſchaften gewoͤhnlich bei Gaſtwirthen finden, die in einem Lande, wie Tyrol, am meiſten Gelegenheit haben, ſich zu unterrichten, ſo wurden in dem denk⸗ wuͤrdigen Kriege von 1809 viele aus dieſer Klaſſe zu Anfuͤhrern gewaͤhlt. Dieſe Maͤnner konnten vielleicht nicht einmal ſchreiben oder leſen, zeigten aber im Ganzen ſo viel natuͤrlichen Verſtand und Geiſtesgegen⸗ wart, ſo viele Geſchicklichkeit in der Behandlung ihrer Truppen, ſo viele Kenntniß des Landes und der Vortheile
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52. Band, Leben von Napoleon Buonaparte, Kaiser von Frankreich : mit einer Übersicht der französischen Revolution : 18. Theil (1827) The life of Napoleon Buonaparte, emperor of the French
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