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es nicht ſicherer geweſen waͤre, ſich auf die feſte Stadt Antwerpen zuruͤckzuziehen, und die Ankunft der er⸗ warteten Verſtaͤrkungen abzuwarten. Allein in mo⸗ raliſcher und politiſcher Hinſicht war die Vertheidi⸗ gung Bruͤſſels von der aͤuſſerſten Wichtigkeit. Napo⸗ leon hatte erklaͤrt, daß er, wenn er die Schlacht bel Waterloo gewonnen haͤtte, die Mittel gehabt haben wuͤrde, Belgien zu revolutioniren; obgleich dieſe Er⸗ klaͤrung ohne Zweifel zu ſanguiniſch war, ſo iſt doch unbeſtreitbar, daß die Franzoſen in einem Lande, wel⸗ ches ſie ſo lange beſeſſen, viele Anhaͤnger zaͤhlten. Der Sieg in der Schlacht bei Ligny hatte keine be⸗ deutende Folgen, noch weniger die unentſchiedene Aktion bei Quatre Bras; allein waͤre ihnen der Ruͤckzug der engliſchen Armee nach Antwerpen und die Einnahme von Bruͤſſel, der Hauptſtadt der Nie⸗ derlande, gefolgt, ſo wuͤrden ſie den Rang großer und entſchiedener Siege erhalten haben.
Napoleon wenigſtens erwartete viel ſiegreichere Reſultate von ſolch einem Siege, und nichts Gerin⸗ geres, als die Aufloͤſung der europaͤiſchen Allianz durch eine entſchiedene Niederlage der Englaͤnder in den Niederlanden. Schon ſeit ſo langer Zeit, daß man nicht angeben kann, ſeit wann, mußten diejenigen, welche nicht weniger Vertrauen auf Napoleons In⸗ trigen, als auf ſeine militaͤriſchen Talente ſetzten, angenommen haben, daß er bereits einen tief ange⸗ legten Plan in Bereitſchaft hatte, der dahin gerichtet


