118
So kam der 6te November heran; bis zu die⸗ ſem Tage war noch kein Flocken jenes gewaltigen Schnees gefallen, dem Napol eon ſein Ungluͤck zuſchrei⸗ ben will, obgleich dieſes damals ſeine Hoͤhe faſt ſchon erreicht hatte. Um eben dieſe Zeit hatten auch ſeine Fluͤgelkorps und Reſerven moͤrderiſche Gefechte be⸗ ſtanden, die ganz kein guͤnſtiges Reſultat gewaͤhrten. So waren faſt drei Viertel ſeiner Armee aufgerie⸗ ben, und ſeine noch uͤbrigen Truppen im klaͤglichſten Zuſtande, ehe noch jener Sturm zu wuͤthen begann, dem er ſpaͤter ſein Ungluͤck zuzuſchreiben beliebt hat. Es bedarf kaum bemerkt zu werden, daß beim Ein⸗ tritt des Schneewe tters Napoleon nicht mehr Sie⸗ ger, ſondern ein Fluͤchtling war, daß er vor ſeinen Gegnern zurückwich, und ſeine Rettung nicht etwa der Feigheit der Ruſſen, ſondern einzig der uͤbertrie⸗ benen Vorſicht ihres Generals zu verdanken hatte. Die Koſacken murrten ſchon lange vor dem Schnee⸗ geſtoͤber uͤber Kutuſof, daß er dieſe Todtengerippe, wie ſie die Franzoſen nannten, in ein unblutiges Grab zuruͤckgehen laſſe.
Als die ſtrenge Kaͤlte kam, vermehrte ſie die Noth und den Verluſt der franzoͤſiſchen Armee gar ſehr. Der Winter aber war nur der Verbuͤndete 3 der Ruſſen, nicht, wie man behauptet hat, ihr ein⸗ ziger Beſchuͤtzer. Er machte den Ruͤckzug der großen Armee nur unheilvoller, aber dieſer war ſchon eine unerlaͤßliche Maßregel geworden, und unter den
—


