105
Ruſſen dort ſich bei dem Anblick der heiligen Stadt auf die Knie werſen und ſich bekreuzigen.
Moskau, mit ſeinen dreihundert Kirchthuͤrmen und glaͤnzenden Kuppeln; mit ſeinen morgenlaͤndi⸗ ſchen Palaͤſten, die ſich aus Baumgruppen und Gaͤr⸗ ten erhoben; mit ſeinem Kremlin, der, eine drei⸗ eckigte Maſſe von Thuͤrmen, zugleich einen Palaſt und eine Feſtung vorſtellend, aus der Maſſe der Luſt⸗ waͤlder und Gebaͤude emporſtieg, gewaͤhrte einen herr⸗ lichen und impontrenden Anblick. Aber keine Eſſe rauchte, kein Menſch ließ ſich auf den Zinnen der Mauern oder an den Thoren ſehen. Napoleon ſah mit unverwandten Blicken hin, in der Erwartung, daß ein langer Zug von baͤrtigen Bojaren kommen wuͤrde, um ſich ihm zu Fuͤßen zu werfen und ihre ganze Habe zu ſeiner Verfuͤgung zu ſtellen. Sein erſter Ausruf war:„Sehet da die beruͤhmte Stadt!“ — ſein zweiter:„Es war hohe Zeit.“ Seine Ar⸗ mee, die ſich um die Vergangenheit und Zukunft we⸗ niger bekuͤmmerte, heſtete ihre Blicke auf das Ziel ihrer Wuͤnſche;„Moskaul— Moskau!“ ſcholl es durch ihre Reihen⸗
Napoleon war noch in Gedanken vertieft, als er eine Meldung von Murat erhielt. Dieſer hatte die Koſacken des ruſſiſchen Nachtrabs eingeholt, die ſich gerne mit bem ſtattlichen Ritter in ein Geipraͤch einließen, den ſie ſo oft an der Spitze des franzoͤſt⸗ ſchen Vortrabs geſehen hatten. Murat meldete,


