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50. Band, Leben von Napoleon Buonaparte, Kaiser von Frankreich : mit einer Übersicht der französischen Revolution : 16. Theil (1827) The life of Napoleon Buonaparte, emperor of the French
Entstehung
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Freiheit des Einzelnen fuͤr ungemein vortheilhaft; wir ſehen darin einen Zuͤgel fuͤr den Richter, der geneigt ſeyn moͤchte, ſich Eingriffe in die Rechte und Freiheiten der Buͤrger zu erlauben. Durch einen allgemeinen theoretiſchen Rechtsgrundſatz koͤnnte ſich ein gewiſſenloſer Richter verſucht fuͤhlen, mittelſt ſei⸗ nes Scharfſinns eine gute Sache zu einer ſchlimmen zu verdrehen. Iſt er aber durch die Entſcheidungen ſeiner weiſen und gelehrten Vorgaͤnger gebunden, ſo wuͤrde es in der That ſehr gewagt von ihm ſeyn, wenn er einen andern Weg einſchlagen wollte, als denjenigen, der durch die ehrwuͤrdigen Spuren ihrer Fußſtapfen bezeichnet iſt, beſonders wenn er weiß, daß ſeine Standesgenoſſen, die ihn zunaͤchſt umgeben und die ſich durch ſeine dialektiſche Gewandtheit et⸗ wa blenden laſſen koͤnnten, doch vollkommen im Stande ſind, jede Abwei chung von den Vorgaͤngen ſofort zu bemerken und zu ruͤgen*). In einem ſol⸗ chen Falle kann es ihm nicht entgehen, daß er, ge⸗ feſſelt durch fruͤhere Entſcheidungen, zwar das Recht zu verwalten hat, aber nicht nach Gefallen damit ſchalten darf, und daß, wenn einmal die Zeugniſſe bei einem Gerichtshofe vorliegen, nothwendig auch

*) Der einſichtsvolle Leſer wird leicht begreifen, daß wir nicht behaupten wollen, die dermatigen Richter ſeyen nothwendig an die Entſcheidungen ihrer Vorgänger gebunden. Selbſt Geſetze veralten und mit ihnen die Entſcheidungen, die zu

ihrer Auslegung und Beſtätigung gedient haben. 1 W. Scott's Werke. L. 9g