117 Einfachheit der alten Geſetze allmaͤhlig ausgeartet und dann durch das eigennuͤtzige Streben der Men⸗ ſchen, nicht durch die natuͤrlichen Fortſchritte der Geſellſchaft, das verwickelte fuͤr jedermann laͤſtige Syſtem entſtanden ſey. Darauf iſt leicht zu antworten. So lange die Geſellſchaft in einem einfachen Zuſtande blelbt, be⸗ darf ſie nur weniger und einfacher Geſetze; ſobald ſich aber Staͤnde bilden, Pflichten entſtehen und Ver⸗ bindlichkeiten eingegangen werden, von denen man in einer roheren und fruͤheren Periode nichts wuß⸗ te, muͤſſen dieſe neuen Verhaͤltniſſe, Pflichten und Verdbindlichkeiten durch neue Regeln und Verordnun⸗ geu feſtgeſezt werden, die, ſobald man ihrer bedarf, entweder durch eine lange Gewohnheit oder durch eine beſtimmte geſezliche Verordnung Geltung erhal⸗ ten. Es gibt ohne Zweifel einen geſellſchaftlichen Buſtand, wo die Geſezgebung ſehr einfach ſeyn kann, und zwar da, wo das ganze Geſez des Landes mit dem Willen des Koͤnigs oder des Richters in eins zuſammenfaͤllt. Dies iſt der Fall in der Tuͤrkei, wo der Kady an kein Geſez, an keinen Vorgang gebun⸗ den und mit ſeinem Gewiſſen einzig auf den Koran angewieſen iſt. Aber die Menſchen ſind ſo geneigt, eine unbeſchraͤnkte Gewalt zu mißbrauchen, die men ſch⸗ liche Natur iſt ſo wenig zur Handhabung derſelben geeignet, daß in allen Laͤndern, wo der Richter nach Willkuͤhr verfahren darf, er der Beſtechung zugaͤng⸗
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50. Band, Leben von Napoleon Buonaparte, Kaiser von Frankreich : mit einer Übersicht der französischen Revolution : 16. Theil (1827) The life of Napoleon Buonaparte, emperor of the French
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