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Die harten Bedingungen, die Napoleon Preu⸗ ßeu auferlegen wollte, ſchienen in politiſcher Hin ſicht gerechtfertigt, nachdem er ſeine ſiegreichen Armeen in die Naͤhe von Polen gebracht hatte, wo er auf eine freundſchaftliche Aufnahme, und einen zahlrei⸗ chen Anhang mit Sicherheit rechnen konnte. Ddie Theilung dieſes ſchoͤnen Koͤnigreichs durch ſeine maͤchtigen Nachbarn, Rußland, Oeſterreich und Preußen, iſt ein Schandlleck in der Geſchichte des ci⸗ villſirten Europa. Sie geſchah durch eine Vereini⸗ gung von drei der maͤchtigſten Staaten dieſe Welt⸗ theils gegen einen einzigen, der, gelaͤhmt durch ſeine ſchlechte Verfaſſung, durch Faktionen zerriſſen, keinen kraͤftigen Widerſtand leiſten konnte. Es half den Polen zu nichts, daß ſie die Heiligkeit der Vertraͤge, die Grundſaͤtze des Voͤlkerrechts anriefen; ſie erla⸗ gen nach einer kurzen uͤbelberechneten Gegenwehr. Als ſie im Jahre 1792 ſich von Neeum ruͤhrten, wur⸗ den ſie beſonders von den Ruſſen auf das aͤrgſte miß⸗ handelt. Sie hatten dies im Jahre 1806 noch nicht vergeſſen. Es iſt daher kein Wunder, daß ſie jezt bei der Annaͤherung der Franzoſen frohlockten; und man muz auch geſtehen, daß ſie— einem fremden Joche auf eine ungeſezliche Weiſe unterworfen— das Recht hatten, daſſelbe wieder abzuſchuͤtteln und ſich hiezu jeder Huͤlſe zu bedienen, ſie mochte ihnen nun von Napoleon oder von Muhammed, oder gar vom Satan angeboten werden.
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