Teil eines Werkes 
20. bis 24. Bändchen (1857)
Entstehung
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nach, das ſich ſeiner ganzen Seele bemächtigt hat. Aber ich habe ihn vergebens darüber befragt. Neu⸗ lich einmal... es war ſchon ſpät am Abend... Alles lag in Dunkelheit gehüllt, und der Mond warf bloß da und dort einen ſchwachen Schein zwiſchen den Wolken hervor... wir ſtanden dort am Fen⸗ ſter... ich hatte...

Als ſie ſo weit kam, ſenkte ſie ihre Augen mit ſchamhaftem Erröthen über das, was ſie ſagen zu wollen ſchien.

Ich hatte, fuhr ſie indeß fort,ihm eine ange⸗ nehme Neuigkeit anzuvertrauen, die ihn ſehr nahe berührt... ich trage...

Sie verſtummte; die Worte ſchienen nicht mehr über ihre Lippen zu wollen.

Ich trage nämlich, fügte ſie jedoch endlich bei⸗ nahe flüſternd hinzu,unter meinem Herzen einen lebendigen Beweis meiner Liebe für Brahe.

Die Gräfin Hard ergriff gerührt ihre Hand. Die ſtolze Befriedigung in ihrer Miene verſchwand, und eine innige Theilnahme trat an die Stelle derſelben.

Die Gräfin Brahe fuhr fort:

Ich hatte erwartet, daß Brahe die Nachricht von meiner Lage mit der größten Freude aufnehmen würde; aber denken Sie ſich, wie mir zu Muthe war, als ich im hellen Mondſchein, der eben jetzt auf ſein Geſicht fiel, ſah, wie er erblaßte und von einem augenſcheinlichen Schrecken überfallen wurde. Ich habe ihn niemals ſo tief ergriffen geſehen; während er meine Hand drückte, fiel eine Thräne aus ſeinen Augen. Hätte ich ihm das größte Unglück mitge⸗ theilt, es könnte ihn wahrlich nicht ſtärker aufgeregt