Weſen der Andern entdeckte man die ſtolzere Befrie⸗ digung eines friſchen Gemüthes.
Aber während die Gräfin Brahe ihre ganze Auf⸗ merkſamkeit auf die Gräfin Hard heftete, ſchweifte der Blick der Letzteren unentſchloſſen im Zimmer umher und verweilte zuletzt auf einem prachtvollen weißen Pudel, der ſich auf einem Polſter in der Nähe der Thüre ſtreckte.
„Unterbrechen Sie ſich nicht,“ bat die Gräfin Brahe;„ſprechen Sie offen und aufrichtig. Geſtehen Sie, daß Sie Etwas haben, das Sie mir gerne an⸗ vertrauen möchten, und das Sie doch nicht auszu⸗ ſprechen wagen. Nicht wahr, es iſt ſo? Es betrifft Brahe. Sie ſchweigen.“
Als Brahes Name genannt wurde, ſchlug der Pudel ſeine Augen auf.
Die Gräfin Hard wandte ſich wieder gegen ihre Freundin.
„Gräfin,“ ſagte ſie,„Ihnen fehlt Etwas, das nach meiner Anſicht die Frau eines zu hoher Be⸗ deutſamkeit berufenen Staatsmannes und Parteichefs immer haben müßte, nämlich der Muth.“
„Wenn Sie ihn prüfen wollen, Gräfin, ſo laſſen Sie alle ſolche Einleitungen bei Seite und rücken Sie geradewegs mit der Sprache heraus.“
Die Gräfin Hard betrachtete ſie noch einmal offen und feſt.
„Sagen Sie mir, ob Ihnen nicht in den letzten Zeiten das Eine und Andere etwas ſonderbar vor⸗ gekommen iſt... ob nicht Ihr Mann...“
„Ganz richtig; Brahe iſt düſterer, zurückgezogener, verſchloſſener. Unzweifelhaft ſinnt er über Etwas


