Teil eines Werkes 
15. bis 19. Bändchen (1856)
Entstehung
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Die Königin erhob ſich unwillkürlich. Ach, Ew. Majeſtät, begann Höppener wieder, Sie beſitzen Alles, was wir wünſchen können, und doch...

Und doch?

Sind Sie nur ein Weib.

An des Königs Seite.

Eine Revolution, Ew. Majeſtät, führt uns Alle vor das Schaffot, und in deſſen Nähe hört die ſchmeich⸗ leriſche Sprache des verbindlichen Hofmannes auf; der wahrheitsliebende Mann nimmt ſich ſein Recht.

Was wollen Sie ſagen, Höppener?

Daß Ew. Majeſtät viel zu offen und aufrichtig, der König, Ihr Gemahl, aber allzu ſchwach und gut iſt.

Die Augen der Königin ſprühten Funken.

Sie ſenkte auch ihre Blicke nicht, aber ſie wandte ſich fragend gegen die Grafen Brahe und Hard.

Vielleicht war es auch der unerklärliche Einfluß eines einzigen electriſchen Strahles, der jetzt über das Schickſal eines ganzen Landes entſchied.

Ohne ein einziges Wort zu ſprechen, reichten Brahe und Hard einander die Hände; es war ein Handſchlag auf Tod und Leben; er bedurfte keiner Erklärung, man verſtand ihn ſo wohl.

Baron Horn lächelte und verbeugte ſich tief vor der Königin, dann aber erblaßte er und ſank beinahe unmächtig in einen Stuhl nieder.

Höppener hatte die Arme über ſeiner Bruſt ge⸗ kreuzt. Es ſchien beinahe, als blicke er ganz ruhig und kalt in einen Abgrund hinab. uke beugte ſein Knie vor der Königin.