zuziehen. Sie war überzeugt, daß man dieſelben von Neuem in Anſpruch genommen, und daß Puke das ins Werk geſetzt habe, was Silfverhjelm auf ſeiner Reiſe eingeleitet. Um ihren Zweck zu errei⸗ chen, nahm ſie einen Wachsabdruck vom Schloſſe und ließ neue Schlüſſel verfertigen. Eines Nachts,
als Alles vorbereitet war, begab ſie ſich aus ihrem
Zimmer hinab. Still und langſam ſchritt ſie von Thüre zu Thüre, bis ſie an dem Verwahrungsort anlangte. Wohl klopfte ihr Herz unruhig, aber auf der andern Seite wurde ſie von der glühenden Lei⸗ denſchaft, die ſo mächtig in ihr herrſchte, aufrecht er⸗ halten. Schon hatte ſie den Kaſten geöffnet und ein Blendlaternchen hervorgezogen, um bei ſeinem Schimmer die Koſtbarkeiten in Augenſchein zu neh⸗ men, als ganz plötzlich eine Hand ſich auf ihre Schul⸗ ter legte. Erſchrocken wandte ſie ſich um und fand — Puke vor ſich.
„Unglückliche,“ ſagte er,„was machen Sie?“
Amanda ſchlug eine Weile, von einem Gefühl der Scham übermannt, ihre Augen nieder. Aber ſie wankte nicht, ſie ſank nicht zu ſeinen Füßen, ſie bat nicht um Gnade. Statt deſſen glitt bald ein kaltes Lächeln über ihre Lippen.
„Vermuthlich, Capitän,“ ſagte ſie, obſchon mit gebrochener und unſicherer Stimme,„kommen Sie in der gleichen Abſicht wie ich, nämlich um einen Blick in dieſe Schatzkammer zu werfen. Nun wohl benützen Sie den Augenblick... ſehen Sie her... ſehen Sie... es iſt Alles leer.“
Mit dieſen Worten drehte ſie die Scheibe ihrer Blendlaterne wider zu und entfernte ſich. Ridderſtad, Luiſe Ulriken’s Hof. IV. 12


