Dies war eine Meinungsäußerung, die Niemand verbieten konnte.
Im Schloß angelangt, empfing die Königin keine Aufwartungen, ſondern blieb in ihren Gemächern.
Inzwiſchen hinderte ſie das nicht, ihre Freunde zu ſehen, und ihrer nächſten Umgebung ſchien es, als ob ihre Thätigkeit eher zu⸗ als abgenommen hätte. Perſonen kamen und gingen... Schreiben wurden ausgefertigt... Gelder ausgetheilt.
So kam der 13. October 1755, der Tag der Eröffnung der Reichsverſammlung.
An einem ſolchen Tag war das Schloß derjenige Platz, wohin ſich Alles zog, ob man nun berechtigt war, die prachtvollen Säle zu betreten, oder ob man nur die Haufen der Neugierigen verſtärken wollte, die ſich im Hof unten ſammelten.
Die Reichsräthe, ſowie der größere Theil der einflußreichſten Abgeordneten ſchaarten ſich um die Perſon des Königs.
Man ſah hier Teſſin mit ſeinem ſtrahlenden, und Palmſtjerna mit ſeinem finſtern Geſicht; man ſah da Ehrenpreutz mit ſeinem proſaiſchen Antlitz, auf wel⸗ chem im Allgemeinen eine gewiſſe Gutmüthigkeit vor⸗ trat, manchmal aber auch ein Ausdruck von leiden⸗ ſchaftlicher Verworrenheit; ferner Pechlin, aus deſſen kleinen, grauen Augen das Genie nicht ſowohl ein neues Licht über ſeinen Gegenſtand verbreitete, als vielmehr mit der unwiderſtehlichen Macht eines Strahls ihn durchdrang, während ſein feines Lächeln gleichſam mit einiger Bosheit geſtempelt war. Hier ſah man


