Von oben herab klagte die Königsmacht, von unten herauf klagte das Volk.
Hätte ſich die Ariſtokratie in einer einzigen gro⸗ ßen Phalanx zuſammenzuhalten vermocht, ſo hätte ſie in ihrer damaligen Geſtalt den Kampf vielleicht noch lange aushalten können; aber glücklicher Weiſe war ſie in ſich ſelbſt in zwei große Parteien geſpal⸗ ten, die Hüte und die Mützen, die während der ſo⸗ genannten Freiheitszeit abwechſelnd herrſchten. Von 1751 bis 1758 hatten die Hüte, die damals allmächtige Partei, an Corruptionsmitteln nicht we⸗
niger als zwei bis drei Millionen Franken jährlich
von Frankreich erhalten.
Was Rußland an die Gegenpartei, die Mützen, ausbezahlte, iſt uns unbekannt.
Dies waren indeß die goldenen Zügel, mit denen man das Land und einander ſelbſt beherrſchte.
Um ihrer Macht Beſtand zu verleihen, verfolgte und unterdrückte die herrſchende Partei ihre Gegner
fortwährend mit ſolcher Conſequenz und Härte, als
wollte ſie dieſelben förmlich vom Erdboden vertilgen.
Die beſiegte Partei hinwiederum verſtärkte ſich, um die Gewalt wieder an ſich zu reißen und Gele⸗ genheit zur Rache zu finden, immer gern dadurch, daß ſie ſich an die Königsmacht und an die Mißver⸗ gnügten unter den bürgerlichen Ständen anſchloß.
So ging der politiſche Zweikampf fort, ohne daß jedoch irgend ein Wechſel der Gewalt die politiſchen Verhältniſſe im Allgemeinen veränderte, weil jede der beiden Parteien unmittelbar nach errungenem Sieg ſich von Neuem in ihre hochariſtokratiſche Stel⸗ lung zurückzog und in der Königsmacht ſowie im


