18
wie der Wechſel zwiſchen Kälte und Wärme. Heute iſt der Boden mit Schnee bekleidet, morgen kann er ſein grünes Gewand tragen.
Von Paris und London her hatte der Leichtſinn des Jahrhunderts bereits Wien und Berlin ange⸗ ſteckt. Von all' dieſen Seiten zuſammen blies der Sirocco über Schweden, wo er nicht mindere Empfäng⸗ lichkeit vorfand. Beſonders Paris hauchte Gift über uns aus. Dort war es, wo unſere vornehmſten Männer, in deren Händen das Schickſal des Vater⸗ landes bereits lag oder bald liegen ſollte, in dieſer Zeit ihre eigentliche Erziehung erhielten. Das Zeit⸗ alter hatte ſeinen Machiavelismus, ſeinen Skepticis⸗ mus, ſeinen Jeſuitismus, ſeine Bigotterie.
Der ſchwediſche Adel hielt ſich nicht blos für eine Macht, er war es auch; er ſuchte nicht blos eine einflußreiche Rolle zu ſpielen, er ſpielte ſie wirk⸗ lich. Wie er an der Spitze der Zeitbildung ſtand, ſo ſtand er auch an der Spitze der Angelegenheiten des Reichs. Die Corruption untergrub die Selb⸗ ſtändigkeit des Landes im Ganzen, aber ſie war ein goldenes Kiſſen, das der Selbſtändigkeit ſowohl der Adelsparteien als der einzelnen Mitglieder, nicht weniger einander ſelbſt als auch der Königsmacht und dem Volke gegenüber, unterbreitet war. Man war Spieler in politiſchen Anſichten, das Ausland war Verleger und Bankhalter; man ſpielte um den Einſatz, das Vaterland, wobei wenigſtens jeder feine Spieler Alles zu gewinnen und Nichts zu verlienen hatte: verlor er, ſo appellirte er blos an eine neue Parthie.
Das Geſellſchaftsleben erhielt dadurch einen po⸗


