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„Nein, Capitän, nein, ich kenne ihn nicht; ich bin ſogar ſelbſt über ſeine Einladung an mich ver⸗ wundert.“
„Sie Beide ſind doch wohl alte Bekannte?“
„Na, wie das Feuer mit dem Waſſer bekannt iſt;— bisher haben wir einander immer bekämpft, wir haben nie in derſelben Reihe geſtanden. Bis dato haben wir nie mit einander Umgang gehabt.“
Nie?“
„Er gehört zu den Hüten, ich zu den Mützen. Es iſt das erſte Mal in meinem Leben, daß ich zu ihm gehe.“
„Was Sie da ſagen, Baron, wundert mich; aber...“
„Sprechen Sie, Capitän.“
„Die Einladung kann vielleicht als eine gewöhn⸗ liche Artigkeit betrachtet werden, vielleicht als ein Verſuch, ſich Ihnen zu nähern.“
„Unmöglich. Pechlin iſt nicht artig, wenn er keine Abſichten hat. In Zeiten der Parteikämpfe be⸗ faßt man ſich nicht mit unnöthigen Sentimentalitäten; jede Geberde iſt berechnet, jeder Schritt hat ſein be⸗ ſtimmtes Ziel. Ich glaube eher, daß ich Ihretwegen eingeladen bin.“
„Meinetwegen?“
„Pechlin hat eine Pflegtochter, die jetzt als Kam⸗ merfrau bei der Königin angeſtellt iſt. Das Mäo⸗ chen iſt arm, und durch die Freunde ſeiner Freunde gelang es ihm, ihr dieſe Anſtellung zu verſchaffen. Täuſche ich mich indeß nicht, ſo iſt ſie für ihr Ge⸗ ſchlecht nicht minder gefährlich, als Pechlin für das ſeinige.“


