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die Zeit zu uns redet. Die Geſchichte iſt das große Lexikon der Völker: was wir nicht begreifen, können wir darin aufſchlagen, und wir erhalten immer Ant⸗ wort; es iſt der vollſtändigſte und ſicherſte Rath⸗ geber: ſind wir unentſchloſſen, was wir zu thun haben, ſo brauchen wir uns nur an dieſes Buch der Bücher zu wenden, und wir erhalten einen Rath, dem wir voll Zuverſicht folgen können.“
Es war Höppeners männliche Stimme, die er⸗ klang.
Man hatte ſo eben eine Sitzung geſchloſſen, bei welcher die Frage über die Stellung der ſogenannten freien Grundbeſitzer, der Geiſtlichkeit, des Bürger⸗ und des Bauernſtandes zur Ritterſchaft und zum Adel verhandelt worden war und verſchiedene An⸗ ſichten ſich geltend gemacht hatten.
Höppener war nicht der Mann, der einer Ver⸗ ſammlung ein Stückchen von der vollen Wahrheit erließ. Die geſchichtliche Wahrheit war für ihn ein Dogma, für welches er, wie für nationale Freiheit, gerne kämpfte, wenn auch als Märtyrer.
Um ſeine Anſichten klar zu entwickeln, hatte er das Wort ergriffen. Seine Augen ſtrahlten, ſein Herz klopfte.
„Das Stundenglas der ſouveränen Herrſchaft war abgelaufen,“ fuhr Höppener fort.„Sein letztes Santtorn war die Kugel, die den Helden Karl XII. bei Friedrichshall traf. Dieſe Herrſchaft hatte das Land an den Rand eines großen Abgrundes geführt, und die Vaterlandsliebe gebot den Männern der Nation, nicht blos das zu retten, was gerettet wer⸗ den konnte, ſondern auch für die Zukunft ein Boll⸗
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