trat, ihn nicht hätte anregen müſſen. Es iſt das glückliche oder unglückliche Schickſal des Naturmen⸗ ſchen, daß er ſich leicht hinreißen läßt; glücklich, weil es ihm große augenblickliche Genüſſe ſchenkt, unglück⸗ lich, weil es ihn oft von der nothwendigen, prakti⸗ ſchen Richtung der Umſtände abführt. Noch lebte auch Daniel mehr im innern Leben ſeiner Gefühle, als im Gebiet der Erfahrung und des prüfenden Verſtandes. Ohne an einen Widerſtand zu denken, überließ er ſich ſeinen Eindrücken. Er genoß auch nicht blos flüchtig jede Roſe, die ihm der Augenblick darbot, ſondern er verwahrte ſie in ſeiner Bruſt wie in einem Herbarium und drückte ſie ſehr oft ſammt den Dornen an ſein Herz, bis es blutete.
Irrend flogen ſeine Blicke umher, nach derjenigen ſuchend, die ihn hieher verlockt hatte; aber als er kein einziges Weſen entdeckte, ſondern den Park ganz öde und leer ſah, da wandte ſich ſeine Auf⸗ merkſamkeit allmälig mit neugieriger Bewunderung den ihm ſo neuen und unbekannten Gegenſtänden zu. Er fühlte ſich zwar fremd in dieſem großen ſchönen Saale der Natur; aber es fiel ihm doch nicht ein, daß er kein vollkommenes Recht beſaß, hier luſtzuwandeln.
Mit Verwunderung betrachtete er die Tritonen, die weiterweg zwei neue Cascaden bildeten; er ver⸗ weilte bei dem mit der Schlange kämpfenden Her⸗ cules, einer aus Metall gegoſſenen Bildſäule auf einem Poſtament von gehauenem Stein mit weißen Marmorrändern; er bewunderte nach einander Adonis und Venus, Actäon mit dem Bogen, Pluto mit dem dreikantigen Zepter, Venus mit dem Schwan, Aſträa
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