„Mein einziger Freund während dieſer Zeit, wie auch meine einzige lebendige Erinnerung von Paris war ein Hund. Ein herrliches, ein prächtiges Thier... aber es iſt jetzt todt... es ſtarb von meiner Hand... welcher Lohn für die bewährte Treue!“
Bei der Erinnerung an Dingo verſtummte er einen Augenblick.
Sein Gedanke verweilte ſchweigend bei der Ver⸗ gänglichkeit der Treue.
Es lag in dieſem Schweigen ein tiefes Gefühl, das Gabriele nicht entging.
„Aber weiter,“ fuhr er fort,„doch was ſoll ich wei⸗ ter erzählen! Es hilft nichts, wenn ich hier umſtändlich all die unbedentenden Vorfälle meines Lebens mittheile. Als Matroſe gekleidet, ſuchte ich meine alten Bekannten wieder auf. Der Stier hatte in meiner Abweſenheit den erſten Platz unter ihnen eingenommen, aber ſeine Macht ging unter, ſobald ich auftrat. Der Fuchs hatte geal⸗ tert, vermuthlich aus ehelichem Kummer, denn er hat eine wahre Hexe geheirathet; deß ungeachtet aber war er noch immer derſelbe Fuchs. Vor meiner Reiſe nach Paris hatten wir unſer Hauptquartier in einer Schenke auf dem Leodugardsfeld. Die Wirthin war mit einem Gardiſten verheirathet und ein kühnes, flinkes Weib. Bei meiner Rückkehr fand ich die Schenke verſchloſſen, erfuhr aber, daß die Wirthin ſtatt deſſen ein Café in der Schiffer⸗ karlsgaſſe gemiethet hatte, wo ſie ihr altes Geſchäft in ſehr großem Maßſtabe betrieb. Ich ſuchte ſie auf und fand Gnade vor ihren Augen. Seitdem habe ich mein Hauptquartier dort gehabt... un... was ſoll ich ſagen ... ich könnte hier ſchließen.“
„Schließen?“
„Ja, Madame; ich ſchäme mich, vor Ihnen fortzu⸗ fahren... ich komme jetzt an Ereigniſſe in meinem Le⸗ ben, in welche Sie einzugreifen anfangen“
Oas Gewiſſen. V. 18


