nde. ls ve ter i
37
Bald gingen düſtere Schatten über ſein Geſicht, bald zeigte ſich der Strahl einer entfernten Freude darin.
Laßt uns über ſeine Schulter blicken und ſehen, was dieſer Brief enthält, der ſo kräftig auf ihn einge⸗ wirkt hat.
Er iſt ganz kurz; nur einige wenige Zeilen.
Sie lauten alſo:
„Mein Herr, Sie lieben Fränlein Jaquette Roſen⸗ palm, ich beklage Sie. Seit ſie als Hoffräulein aufge⸗ nommen worden iſt, hat ein weit vornehmerer Herr als Sie mit Erfolg ihr ſeine Aufmerkſamkeit zuzuwenden angefangen. Fräulein Jaguette iſt jung, munter und lebhaft. Noch einmal— ich beklage Sie.“
Paul ſtampfte auf den Boden. Der Brief berührte den kitzlichſten Punkt in ſeinem Herzen.
Er hatte Jaquette mit der treuen Ergebenheit eines jungen Mannes geliebt. Seine Seele war zu einem klaren ruhigen Spiegel verſchmolzen, um rein und wahr ihr ganzes Bild in ſich aufzunehmen. Jetzt war es anders. Die Anklage gegen ſie ſtörte ſeinen Frieden und dieſe friedliche Liebe, die ihn ſo glücklich gemacht hatte. Und dennoch liebte er ſie noch immer. Aber die Liebe, die aus dem Becher der Eiferſucht trinkt, wird leicht Raſerei.
Wiederum ging er auf und ab, mit ſich ſelbſt nicht einig, was er thun ſollte.
Der Brief war anonym. Ein Unbekannter hatte ihn abgegeben, und Paul konnte ſich an Niemand wen⸗ den, außer an ſie ſelbſt. Sollte er es thun? Sein Stolz wurde von verſchiedenen Leidenſchaften hin und her ge⸗ zerrt und ſchwankte bald auf dieſe, bald auf jene Seite.
„Ich will ſie aufſuchen,“ rief er endlich,„ich will ſie betrachten und ein einzigesmal in ihr Auge blicken. Es wird mir ſagen, ob ich dieſen Brief ebenſo zerreißen muß, wie er mein Inneres zerriſſen hat, oder ob ich ihn ihr geben und ihr den Rücken kehren ſoll.“


