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gewaltſam in ſeinen innerſten Grundveſten erſchüttert wird; das Leben der Völker befindet ſich überall in einem unruhigen Fieberzuſtand, deſſen noch zweideutige Kriſis den Menſchenfreund mit dem höchſten Grad von Hoffnung ſowohl, als Furcht erfüllt.
Auch in unſerem geliebten Vaterlande verſpürt man, zwar bis jetzt noch gelinde, aber in Bezug auf die wahr⸗ ſcheinliche Entwicklung höchſt bedenkliche Symptome der allgemeinen politiſchen Bewegung der Zeit.
Wird Schweden durch die bevorſtehende große Welt⸗ bewegung gekräftigt, und zu einem höheren und edleren Staatsleben erhoben werden? Oder wird es dadurch zerriſſen, erniedrigt und vernichtet werden?
Dieſes und nichts Geringeres iſt der Inhalt der Frage, welche die Zeit mit dem ſtrengſten Ernſt im gegenwärtigen Augenblick an jeden Schweden ſtellt. Kei⸗ ner hat das Recht, vor dem Ruf der Zeit an die Menſch⸗ heit die Ohren zu verſtopfen; Keiner darf das große, bedeutungsvolle Schauſpiel der Zeit in gleichgültiger Nuhe und ſorgloſer Bequemlichkeit blos betrachten; jeder i*ſt verpflichtet, ſeine Rolle auf der Schaubühne der Bewegung zu übernehmen; jeder muß ſich nach Kräften thätig bei der Arbeit betheiligen, welche dem Staats⸗ organismus vorgelegt wird, dem er angehört, damit er am Abend an dem herrlichen Lohn der redlichen Arbeit Antheil erhält, und nicht wie ein unnützes Glied abge⸗ hauen und ins Feuer geworfen wird....“
Paul hatte inzwiſchen ſeine Wanderung im Zimmer auf und ab fortgeſetzt. Zuweilen lauſchte er auf das, was Brauner las; zuweilen aber überließ er ſich wieder ſeinen eigenen ſchmerzlichen Betrachtungen.
„Gut geſchrieben, Brauner,“ fiel er gleichwohl hier ein.„Wie ſagteſt Du, daß das Buch heiße?
„Gedanken über die geſellſchaftlichen Fragen unſerer Zeit von Thorſten Rudenſköld,“ antwortete Brauner. Es war nicht das erſtemal, daß man Paul dieß


