Zehntes Kapitel. Der Thiergarten.
Als Gourville Kellner verlaſſen, hatte er mit einem ſchnellen Blick ſeine ganze Stellung überſchaut, und er athmete jetzt friſcher und leichter als ſeit langer Zeit.
Von der Stunde an, wo das Glück ihn begünſtigt hatte, ſo daß er in das Innerſte von Kellners Angelegen⸗ heiten und Handlungen blicken konnte, ſah er in ihm ei⸗
„nen kühnen und genialen Corſaren, obſchon unter der all⸗ täglichen Flagge der Geſetzlichkeit, und er beſchloß, ihn zu überrumpeln und ſein Schickſal mit dem Schickſal Kellners zu vereinigen. Daß dieſer den ungebetenen Gaſt nicht mit offenen Armen aufnahm, ſchreckte ihn nicht ab, ſondern beſtärkte ihn nur noch in ſeinem beharrlichen Be⸗ mühen ſich unentbehrlich zu machen. Jetzt war er es.
Seine Bruſt hob ſich friſch, während er von ſeinen Fenſtern aus den Wald von Maſten überſchaute, die in der Schiffsbrücke unten wogten.
Gourville hatte keine ſchöneren Augenblicke, als wenn er kühne und großartige Pläne entwarf; wenn ſein Geiſt ſich damit beſchäftigte, ſo fühlte er ſich in ſeinem rechten Element. Aber die Pläne, die er jetzt ausgeſonnen hatte, beruhten auf älteren und waren in Wirklichkeit nur die Vollendung von ſolchen.
Das Gewiſſen. IV. 1


