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behandelt, welche die Religion als eine nuͤtzliche po⸗ litiſche Einrichtung betrachteten. Aber ſowohl der aufrichtige Katholik, als der erklaͤrte Unglaͤubige ver⸗ achtete ſie in ſeinem Herzen. Alle Franzoſen, die noch wirkliches religioͤſes Gefuͤhl und Andacht beſa⸗ ben, wandten ſich ihren alten Seelenhirten zu, und obgleich der Anſtoß nicht ſtark genug war, um der revolutionaͤren Bewegung das Gleichgewicht zu hal⸗ ten, ſo diente ſie doch dazu, dieſelbe bei vielen Ge⸗ legenheiten aufzuhalten und ſie zu ſtoͤren. Wirklich⸗ war der ſo voͤllig mißlungene Verſuch, eben ſo un⸗ politiſch als unnoͤthig. Man kann ihn auf der einen Seite nur dem ſchwaͤrmeriſchen Eifer der neueren Philoſophen zuſchreiben, welche auf dieſe Weiſe die Re⸗ ligion indirekt abzuſchaffen ſuch ten, und auf der an⸗ deren dem vorgefaßten Entſchluß der Revolutions⸗ maͤnner, daß keine Ruͤckſicht den Plan durchkreuzen ſolle, das Volk in allen ſeinen kirchlichen und Port⸗ tiſchen Einrichtungen neu zu geſtalten.
Siegreich uͤber Altar und Thron, Biſchofsmuͤze und Krone, uͤber den Koͤnig, die Adeligen und die
Geiſtlichkeit ſchien nun die Nationalverſammlung
wirklich jene Allmacht(Omnipoten) zu beſitzen, wel⸗ che man dem brittiſchen Paxlamente zuſchrieb. Noch kein Geſetzgeber hatte ſo weitlaͤufige tiefeingreifende Veraͤnderungen unternommen, nie ward dergleichen ſo leicht zu Stande gebracht. Die Nation war in jeder Hinſicht umgewandelt; Fahne und Kriegszei⸗


