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erwacht war in ihrem Buſen das Bewußtſeyn, daß er von Natur gutmuͤthig ſey, und nun konnte ſie die Ruͤck⸗ ſichten gegen ſeine Perſon mit der Verehrung ſeiner hohen Wuͤrde vereinigen, die ihm als ein Glaubens⸗ artikel eingepraͤgt worden war. Nunmehr fuͤhlte ſie die entzuckende Ueberzeugung, daß ſeine Tugend ſein eignes Werk, ſeine Ausſchweifungen aber ein Fehler oder vielmehr ein Mangel an„Erziehung und die Folge der verderblichen Rathſchlaͤge ſeiner Schmeich⸗ er ſey. Aber ſie wußte oder überlegte es in dieſem Au⸗ genblick nicht, daß in einem Boden, bei dem man nicht ſorgfaltig das Unkraut ausjaͤtete, es den beſten Sa⸗ men uͤberwachſen und verdraͤngen wird, ſelbſt wenn es den Boden an und fuͤr ſich durchaus nicht zuſagt. Denn wie Dr. Rochecliffe ihr ſpaͤter zur Erbauung ſagte— und wobei er ihr nach ſeiner Gewohnheit verſprach, den genauen Sinn bei anderer Gelegen⸗ heit zu erklaͤren, wenn ſie ihn daran erinnern wuͤrde— virlus rectorem ducemque desiderat; vitia sine ma- gistro discuntur.(Die Tugend gebraucht einen Fuͤh⸗ rer, das Laſter lernt ſich ohne Lehrer.)
Doch jetzt blieb zu ſolchen Betrachtungen keine Zeit uͤbrig. Der gegenſeitigen Offenherzigkeit durch eine Art geiſtiger Mittheilung gewiß, wodurch man ſich in ſchwierigen Umſtaͤnden vielleicht beſſer verſteht, als darch Worte, ſchien nun aus der Unterredung zwiſchen dem Koͤnige und Alexis alle Zuruͤckhaltung und Pianmaͤßigkeit verſchwunden. Mit maͤnnlicher Offenheit und zugleich mit fuͤrſtlicher Herablaſſun bot er der erſchoͤpften Aleris auf dem Wege na Haufe ſeinen Arm ſtatt den des Dr. Rochecliffe an, und Alexis machte davon mit der beſcheidenſten De muth, aber ohne einen Schatten von Mißtrauen oder Furcht Gebrauch. Es ſchien als habe die letzte halbe Stunde ſie vollkommen mit ihrem gegenſeiti⸗ gen Character ausgeſoͤhnt, und als ſey nun Jeder vollkommen von der Reinheit und Offenheit des An⸗ dern uͤberzeugt.


