29 wenn er in große Verſuchung gefuͤhrt wuͤrde, was das Schickſal in Gnaden verhindern moͤge.“
Man muß im Allgemeinen bemerken, daß fuͤr den Prinzen ein Liebeshandel mehr eine Sache des Zeitvertreibs als eine ernſte Neigung war. Mit den Verfuͤhrungskuͤnſten war er nicht ſehr vertraut, weil er ſelten Gelegenheit gefunden hatte, Gebrauch davon zu machen. Sein hoher Rang und die Ausſchweifun⸗ gen einiger Frauen, mit denen er Umgang hatte, machte ſie unnoͤthig; ſo daß er ſtrenge Tugend bei jedem Geſchlechte bezweifelte, und ſie fuͤr einen Schleier hielt, fuͤr das ſproͤde Weſen der Frauen und fuͤr Scheinheiligkeit der Maͤnner um fuͤr ihre Nach⸗ giebigkeit einen hoͤheren Lohn zu erringen.
Waͤhrend wir die Art und Weiſe ſeiner Neigung zur Galanterie beſprechen, wurde der Wanderer auf dem Wege den er gewaͤhlt hatte zu verſchiedenen ſon⸗ derbar verſchlungenen Gaͤngen gefuͤhrt, bis er ſich zu⸗ letzt unter dem Fenſter des Zimmers des Victor Lee befand, wo er Aleris bemerkte, welche einige Blumen begoß und ordnete, die vor dem Gitterfenſter ſtanden, welches zwar bei Tag leicht zugaͤnglich war, obgleich es gefaͤhrlich ſchien, es bei Nacht zu erſteigen. Aber nicht allein Alexis ſondern auch ihr Vater zeigte ſich am Fenſter und winkte ihm heraufzukommen. Nun ſchien die Geſell chaft anziehender als vorher, und der fluͤch⸗ tige Furſt, uͤberdruͤſſig mit ſeinem Gewiſſen zu kaͤmpfen,


