336 Georg Volker.
lange wird's noch dauern, ſo fragt kein Menſch mehr darnach, wo Annli hingekommen!
Und die Freiheit? Ging ſie ihr nach und ver⸗ ſchwand mit ihr im Herbſtesſchauer? Oder kehrte ſie, von der Menſchheit verſtoßen, zu der Natur hei⸗ ligem Dienſte zurück? Wohl brennt noch ihre Veſta⸗ flamme auf manchem Altare, aber die Prieſterin fehlt, die reine, gottgeweihte, und die Menſchen wiſſen ſie nirgends zu finden. Armes Vaterland! Du haſt ſie geahnt, Du haſt ſie geſehen, die heilige Freiheit, im Frühlingsſonnenſchein dieſes Jahres. Aber auch Dein Herbſt iſt gekommen; und wüßten wir's nicht, dort auf den Bergen würden wir's hören. Dort, wo die Wälder der Freiheit Todesgeſang rauſchen um Annli's ſtille Brautkammer, dort ruht auch wie⸗ der Dein holdes Dornröslein, o Deutſchland, im hundertjährigen Zauberſchlafe; und eher als es er⸗ wacht, werden noch Viele vergebens ſich aufmachen zu ſeiner Erlöſung. Einſt aber wird doch der rechte Ritter kommen, der die ſchlafende Jungfrau findet inmitten der Wildniß, und ihr den Kuß der keuſchen Liebe auf die Lippen drückt, daß ſie die Augen auf⸗ ſchlägt, die glänzenden, und zum Schwerte greift, dem unüberwindlichen.
Wirſt auch Du dann erwachen, o mein Vaterland?
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