50 Georg Volker.
wenn wir jemals in unſerem politiſchen Entwicke⸗ lungsprozeß die Bahnen des Geiſtes verlaſſen ſoll⸗ ten! Ich fühle ſelten, einem Jüngeren gegenüber, die Neigung, auf meine reiferen Jahre und Erfahrun⸗ gen zu pochen; mir iſt im Gegentheil die Jugend meiſt lehrreicher geweſen als das Alter; aber jetzt in dieſer Lage, die des ſtärkſten Mannes Herz erſchüt⸗ tern kann und ihn um alle Erfahrungen ſeines Le⸗ bens ärmer zu machen droht, jetzt muß ich mehr als je zuvor an ihnen feſthalten; denn ohne dieſe Erfah⸗ rungen verlöre auch ich mich vielleicht noch in das Reich idealiſtiſcher Träume und Hoffnungen, die uns wohl ein Citat aus dem Fauſt erlauben, aber nie⸗ mals eins aus dem wirklichen Leben, niemals eins aus der Geſchichte unſeres Volkes. Ich halte vor⸗ nehmlich an Einem feſt, was mir Niemand weg⸗ ſtreiten kann, und was Sie gewiß am wenigſten mir wegſtreiten wollen, an dem tiefen Rechts⸗ und Sittlichkeitsgefühl, welches unſerin Volkscharakter innewohnt und das ihm von Tacitus bis heute kein Geſchichtsſchreiber und kein Culturhiſtoriker abge⸗ ſprochen hat. Bevor dem deutſchen Volke dieſes
höchſte und gediegenſte Gefühl nicht ganz und gar
erſtorben iſt, wird eine Revolution in Deutſchland immer in ihren Anfängen ſcheitern, wie ſie in Frank⸗


