12 Georg Volker.
ſchwankte, ſie zagte nicht mehr, denn ſie wußte ja, daß Volker von keinem Feinde Etwas zu beſorgen hatte, ſo lange Waldemar ihr zur Seite ſtand!
Mit erleichtertem Herzen trat ſie auf den mit Glasfenſtern umgebenen Balkon unter die herr⸗ lichen Blumen und Geſträuche, welche ihr der Hof⸗ gärtner jede Woche durch neue Eremplare aus den gräflichen Gewächshäuſern erſetzte, ſo daß hier faſt den ganzen Winter über ein wahrer Frühlingsflor zu finden war. Sie öffnete eins der Fenſter und hatte gerade vor ſich auf dem gegenüberliegenden Berge die Marienlinde; zu ihren Füßen im tiefen Thalkeſſel lag das rauchende Dorf, durch deſſen Hauptſtraße ein Waldbach rauſchte, der mit ſeinem ſchäumenden Waſſer die erdbraunen, hier und da von Mauerwerk geſtützten Hügel beſpülte, auf welchen zur Rechten des Baches die Häuſer der Dorfbewohner ſtanden, was dem Ganzen, beſonders wenn erſt einmal in den kleinen Gärten zur Seite Malven und Roſen blüh⸗ ten, einen ebenſo maleriſchen als eigenthümlichen An⸗ blick verlich. Am weſtlichen Ende des Dorfes dehnte ſich ein großer, wohl eine halbe Stunde langer Wie⸗ ſengrund aus, den der Dorfbach in vielen Armen durchſchnitt und ſelbſt in den heißeſten Sommertagen den lechzenden Triften noch Erquickung zuführte.


