6 Georg Volker. warteten, um in hellen Haufen aufzuſtehen und mit dem Grafen von Rellenburg einen„neuen Accord“ zu ſchließen.
Im Schloß ſelbſt hatten dieſe Ereigriſe nur dazu beigetragen, die Stimmung der Gemüther noch beklommener und gedrückter zu machen, und die
fromme Frau von La Blanche kam faſt nicht mehr
— von ihrem Betſchemel hinweg. Die Gräfin ſelbſt
verſuchte hinter dem Rücken ihres Gemahls bei ver⸗
ſchiedenen Gelegenheiten allerlei freundliche und huld⸗ volle Mittel zu einer Annäherung an das„Volk,“ ſie unterließ es z. B., in ihrer glänzenden Equipage durch die Dörfer zu fahren, ſondern wählte die bür⸗ gerliche Manier des Spazierengehens, redete die Leute auf dem Felde mit Herablaſſung an oder trat auch wohl mit ihrer Begleitung in die Hütten der ärmeren Landbewohner, erkundigte ſich nach den Um⸗ ſtänden der Familie, koſtete von der rauhen Grütz⸗ ſuppe, und ließ, recht nach wohlthätiger Feenart, beim Weggehen ein reiches Geldgeſchenk zurück. Selbſt am Wochenbett einer armen Bäuerin erſchien ſie, be⸗ reitete am dürftigen Heerd der Hütte zum höchſten Staunen des halben Dorfes eine kräftige Hühner⸗ ſuppe zu und brachte dieſe der Wöchnerin an's Bett, und was dergleichen gewinnende Beweiſe einer völlig


