Georg Volker. 17
Während der Gaſt ſich dieſen und ähnlichen Be⸗ trachtungen überließ, ward es nach und nach leben⸗ dig im Hofe. Roſſe wieherten, Stallthüren und Fenſterläden öffneten ſich, Knechte kamen ſchlaftrun⸗ ken in ihren ſchweren klappernden Holzſchuhen nach dem Röhrbrunnen in Mitten des Hofes; ſie ſahen wohl auch verwundert zu dem Unbekannten am Fen⸗ ſter empor, aber kaum, daß ſie vor lauter Scheu und Neugierde zu grüßen wagten, wie denn überhaupt bei dem Odenwälder Bauer der Weg von der Hand zur Mütze ein ſehr weiter iſt; dahingegen die Mägde, meiſt pralle kerngeſunde Dirnen, mit friſchrothen Wangen, mit ihren ſchwarzen kleinen Taffetkäppchen und den reichfaltigen dunkelblauen Röcken, ſchon viel freundlicher zu dem fremden Herrn aufſchauten, als ſie mit ihren blankgeſcheuerten Eimern zur Melke nach den Ställen gingen oder aus tannenen Mulden dem Federvieh Körner ſtreuten.
Bald nachher kam Volker und war überraſcht, den Freund, den er von früherher als einen Lang⸗
ſchläfer kannte, bereits in den Kleidern zu finden.
Er holte ihn zum Frühſtück ab, das Jungfrau Vero⸗
nika überreich mit allen Genüſſen des fröhlichen
Landlebens, von der friſchdufteten Sahne bis zum T 2


