Georg Volker. 9
Vorſichtig trat er näher; das Fenſter war gerade
ſo niedrig, um einen Erwachſenen bequem in's Innere blicken zu laſſen. Er ſah in ein düſtres Gemach, deſſen ſpärliche Beleuchtung ihn nur die nächſten Ge⸗ genſtände deutlich unterſcheiden ließ. An einem Tiſche in der Mitte der runden Thurmklauſe ſaß eine männ⸗ liche Geſtalt, in einen hellgrauen Reitermantel von militairiſchem Schnitt gehüllt, eine grüne pelzver⸗ brämte Jagdmütze auf dem Kopf, und hatte dem Fen⸗ ſter den Rücken zugekehrt, ſo daß es Germanos un⸗ möglich war, das Geſicht zu ſehen. Der Sitzende ſchien in eifriges Leſen vertieft; eine Oellampe warf ihren Schimmer auf viele durcheinanderliegenden Blät⸗ ter und Briefe, welche ſeine volle Aufmerkſamkeit in Anſpruch nahmen, während Germanos ſich bald von
dem Leſenden ab und mit ungleich größerer Neu⸗
gierde der zweiten Erſcheinung zuwandte. Dies war ein Mann, der ſtarr und regungslos wie eine Bild⸗ ſäule vor dem Tiſche ſtand, die Arme nach hinten zuſammengeſchlungen, und unverwandt jede Bewegung des Andern beobachtete. Der Jüngling wußte nicht, was er aus dieſer zweiten Figur machen ſollte, deren Geſicht eben ſo viel abſchreckende Häßlichkeit zeigte, wie die Kleidung, welche auffallend mit der des Mannes im feintuchenen Reitermantel contraſtirte,


