„Wie? Wahl's Ammychen?“ rief der junge Mann überraſcht und drückte ihr herzlich die Hand.„Nim⸗ mermehr hätt' ich dich wieder erkannt, ſo groß und ſchlank biſt du geworden.“—„Ach ja, Herr Ernſt, das war eine ſchöne Zeit, als Sie noch in Altenhain wohnten!“ ſprach ſie bewegt und ihre Augen wurden naß.—„Iſt's nicht mehr ſo bei euch wie ſonſt?“ fragte er.—„Dort ruht die ſchöne Zeit!“ ſchluchzte Anmm, in den Kirchhof deutend, und brach, ihr Antlitz mit der Schürze bedeckend, in heftiges Weinen aus.
„Dein Vater?“ fragte Ernſt beſtürzt.—„O nein! nein! nein! der lebt!“ rief ſie krampfhaft zuſammen⸗ fahrend.„Die Mutter, die treue, arme Mutter— dort ruht ſie nun ſchon in's achte Jahr unter'm Gras⸗ hügel— ach, ihr iſt wohl!“—„Catharina todt!“ ſagte Ernſt gerührt und ſuchte mit dem Blick das Grab, welches Ammy ihm zeigte.—„Sie hat viel Herzleid erduldet, bis Gott ſie endlich zu ſich nahm,“ fuhr das Mädchen geſaßter fort.„Aber das Aergſte hat ſie doch nicht erlebt! Ach, Herr Ernſt— wenn ich Ihnen nur Alles ſo ſagen könnte, wie ich's auf dem Herzen habe! Aber fragen Sie nur die Frau Pfarrerin— das iſt mein letzter Engel; denn Rudolph wird ja doch nimmer mein, wegen der Väter, die ſich ſchon ſeit Jahren todtfeind ſind, und erſt recht, ſeitdem ſie wiſſen daß wir nicht von einander laſſen können.“


