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Der Tannenschütz : Weihnachts-Novelle für 1851 / von Otto Müller
Entstehung
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ein Gefühl, als ſey er erſt geſtern hier geweſen, und nicht trennten ihn lange Jahre voll reicher Erlebniſſe

und Schickſale von dieſen Räumen alter Erinnerungen.

So tief hatte die wildromantiſche Natur der Heimath ſeiner Seele ihre Eindrücke eingeprägt, daß ihn Alles wie mit alten wohlbekannten Augen anſah, das Mor⸗ genlied der Vögel in den Zweigen, ja ſelbſt der Harz⸗ duft im thauigen Tannengrund ihm die ſelige Kinder⸗ zeit zurückrief. Er ging nach dem ſogenannten Tannen⸗ ſtein, einem Hügel an der weſtlichen Waldſpitze, auf welchem ein ruinartiges, von Wachholderſträuchern über⸗ wuchertes Gemäuer noch Spuren eines ehemaligen Kaſtells von hohem Alter zeigt, deſſen Geſchichte jedoch längſt verloren gegangen. Der Berg ſenkte ſich hier nach der Seite des Dorſes hin in einem ſchroffen Steingeklüft thalwärts, aus welchem hier und da einzelne verkrüppelte Tannen hervorwuchſen, was dem Ganzen einen ungemein düſtern Eindruck verlieh. Die Umgebung des Tannenſteins hatte auf Ernſt ſchon in der Kindheit immer einen eigenthümlichen Zauber aus⸗ geübt, und er erinnerte ſich noch recht wohl des geheim⸗ nißvollen Schauers, der ihn beſchlich, ſo oft er hierher kam, wo es dann jedesmal ſo ſtill und einſam war,

der Tannengrund zauberiſch im Abendgefunkel blitzte und leuchtete, das graue Mauerwerk im Zittern der

Sonnenlichter zu wanken ſchien und der Wind leiſe in Büſchen und Sträuchern ſeufzte. 2