Dichtergeiſt entzündet an ihr ſeine belebende Flamme; aber plötzlich wacht ſie wieder auf; und fragſt du, wer ſie weckte, ſtaunſt du, von wo ſie kam, ſie ſagt es dir nicht. Vielleicht von unten, tief unten, wo die ſtillen Bächlein gehen und die frommen Zwerge noch immer an Schneewittchens gläſernem Sarge ſitzen; vielleicht von oben, hoch oben, wo die jubelnde Lerche ſich in heiliger Morgenfrühe ihr Lied holt bei der Frau Wolke, wenn der Tag die liebemüde Nacht mit goldenem Arme umfängt. Denn das nur wiſſen wir, daß Schneewitichen nicht todt iſt und die Lerche, die Julia in Romeo's Armen weckte, auch noch lebt. Stirbt ja doch nichts Holdes und Süßes in der Welt, ſondern wandelt nur und kehrt wieder; Mährchen, die einmal Wahrheit geweſen, haben die Erde lieb, und nur der Menſch weiß, was Vergeſſenheit iſt.
So auch das Mährchen von Verona.
Aber diesmal iſt's nicht das Haus fürſtlicher Ahnen, nicht der ſtolze Palaſt des Nobili, in dem es einkehrt. Fern von Verona's lieblichen Fluren und Italiens ſüßduftenden Orangenhainen, fern von des Südens liebedurchſchwängerten Lüften ſucht es ſich diesmal ſeine Herzen in rauherer Zone, in einſamen deutſchen Bergen. Wie die Schwalbe des Südens baut es ſich dort unter niederem Dache an, heimlich traulich niſtet's ſich ein in der Schuld grauenvoller


