Ein tragiſches Geſchick, eine Verkettung von außerordentlichen Umſtänden und Begebenhien pflegt uns immer dann am meiſten zu ergreifen und unſere Theilnahme zu erwecken, wenn die Menſchen, die wir davon betroffen ſehen, den höheren Kreiſen der Geſell⸗ ſchaft angehören, und begünſtigt durch Geburt, Reich⸗ thum, Talente oder Bildung eine Stellung in der Welt einnehmen. Als wenn das Schickſal, das den Marmorpalaſt heimſucht, ein anderes wäre wie das der Hütte! Als wenn die Hoheit, die in Purpur wandelt, der Name, den die Geſchichte verherrlicht, ein Anſehen hätten jener Macht gegenüber, die den ſtolzeſten Nacken beugt wie den niedrigſten, und Jedem die Kette des Verhängniſſes an die Ferſe ſchlägt, gleich unentrinnbar für den König wie für den Bettler.
Und doch iſt es ſo, und wohl der Welt, daß es ſo iſt! Denn würde alles Leid dieſer Erde, bekanntes und unbekanntes, mit demſelben Auge angeſchaut, mit demſelben Maße gemeſſen, die Menſchheit hätte bald ihre letzte Thräne ausgeweint und der Engel Mitleid wandelte ungerührt an Palaſt und Hütte vorüber 1


