Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Aber Serena beobachtete bald, wie wir ſchon erzählt haben, noch mehr als dieſes dem äußeren Anſchein nach bloß von Aureliens Seite nahe Freundſchaftsverhältniß; während der Informator ſich ſeiner fürſtlichen Herrin ge⸗ genüber in den Formen der kalt ehrerbietigen Ergebenheit bewegte und ſelbſt in ſeinem Benehmen gegen andere fürſt⸗ liche Perſonen ungleich freier erſchien, als bei ihr.

Dagegen hatte die Prinzeſſin zuweilen gewiſſe kleine, an ſich ganz unſchuldige, aber doch für ein ſtillbeobachten⸗ des weibliches Auge höchſt bemerkenswerthe zarte Rück⸗ ſichten und Aufmerkſamkeiten für ihn, die eine Frau im⸗ mer nur dem Manne zu ſchenken pflegt, mit dem ſich ihre Gedanken gern und häufig beſchäftigen; deſſen kleine Ge⸗ wohnheiten und Eigenthümlichkeiten ihr ſelbſt noch als Launen und Sonderbarkeiten lieb genug ſind, um ſie nicht bloß ungern an ihm zu vermiſſen, ſondern ſie ſelbſt noch zum Gegenſtand eines zartſinnigen Kultus zu machen.

Sie wußte immer genau zum Voraus, was er zu dieſer und jener Sache ſagen, welchen Eindruck dieſes und jenes Freigniß auf ihn machen werde.— Kam in der Unter⸗ haltung etwas zur Sprache, wovon ſie fürchtete, daß es ihn unangenehm berühren möge, ſo hatte ſie immer ſchnell eine glückliche Wendung bei der Hand, um das Intereſſe der Uebrigen von dieſem Gegenſtand wieder abzulenken. Niemals ſprach ſie im Tone des Befehls zu ihm, nicht ein⸗ mal, daß ſie einen ausdrücklichen Wunſch zu erkennen gab; vielmehr äußerte ſie immer ihre Meinung, ihr Urtheil unter dem ſtillen, aber doch ſehr deutlichen Vorbehalt, daß ſeine Meinung, ſein Urtheil vorangehe und ſie ſich gerne eines Beſſeren von ihm belehren laſſe.

Beſonders wenn ſie mit ihm und Serena allein war, trat dieſe ihrem ſonſtigen Charakter ſo fremde Unſelbſtändig⸗ keit noch mehr zu Tage; ſie ſchien dann in dieſer freiwilligen