Dabei war ſie der Nichte gegenüber darauf bedacht, bei jeder Gelegenheit ihres„lieben“ Wulf's gediegenen und ſanftmüthigen Charakter, ſowie ſeine große Beſcheiden⸗ heit, ſeine köſtliche Herzenseinfalt anzupreiſen und gerade den ſtilleren Tugenden ſeines Geiſtes und Gemüthes die lauteſten Lobſprüche zu ſpenden.— Allerdings war auch nach ihrer Meinung ſein Aeußeres dem Begriff der vollkommenen männlichen Schönheit nicht ganz ent⸗ ſprechend; aber ſein ſchlichtes grades Benehmen— An⸗ dere nannten'es freilich brüsque und bäuriſch— war der getreue Spiegel ſeines natürlichen, von keiner fal⸗ ſchen Erziehung und ſogenannten feinen Lebensart ver⸗ dorbenen und verſchrobenen Weſens; und wenn er dann und wann auch wirklich einmal einen kleinen Verſtoß gegen den in den Kreiſen der übertünchten vornehmen Lügenwelt und lockeren Moral herrſchenden Bonton machte, ſo brauchte man nur durch die rauhe Schale bis zum ſüßen Kern ſeines Inneren durchzudringen, und es war rein unmöglich, ihm noch wegen dieſer und jener harmloſen Aeußerung oder ihm eignen, vielleicht etwas allzunatürlichen Offenheit gram zu ſein.
Daß alle dieſe Vorgänge und künſtlichen Verwickelun⸗ gen ſowohl von der einen wie von der andern Seite vor dem würdigen Haupt der Familie geheimgehalten wurden, deuteten wir ſchon an; denn kein Theil hatte ein Intereſſe dabei, Herrn Cyprian in die Mitwiſſen⸗


