Teil eines Werkes 
3. Band (1859)
Entstehung
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Als gleich nachher Eliſabeth, die ihren Vater die Treppe hatte hinuntergehen hören, hereinkam, ſaß Lud⸗ wig, den Kopf ſinnend in die Hand geſtützt am Fenſter und ſah ohne ſich nach ihr umzukehren regungslos hinaus auf die Straße.

Das iſt Sorge, die Dir der Vater in die Seele geredet hat, rief ſie beſtürzt und fuhr ihm ſanft mit der Hand über die umwölkte Stirne.

Zerſtreut nickte er ihr zu und ſagte erſt nach einer Pauſe: Ja, eine Sorge, mein liebes Herz, aber eine, die Gottlob ſchon weit hinter uns liegt! O was iſt doch die Liebe für eine wunderbare Magie! rief er begeiſtert und umſchlang das holde Weſen. Eben kramte mir da

Dein guter Vater eine alte garſtige Geſchichte aus längſt

vergangener Zeit aus, aber kaum hör' ich Deine liebe Stimme und ſeh' Dir in's Auge, ſo hab' ich auch ſchon Alles wieder vergeſſen, was er mir erzählte!

Ah, ich merke, Du willſt mich auf die Probe ſtellen! rief ſie mit ſtrahlenden Blicken. Nun ſieh, wie ich ſie beſtehe! Neugierig bin ich zwar; aber was ich Dir nicht aus den Augen leſen kann, das will ich auch niemals wiſ⸗ ſen! Zum Beweiſe dafür nimm dieſen Brief vom Ober⸗ amtmann an Dich; ich habe ihn zwar aufgemacht, aber gewiß kein Wort darin geleſen, ja glaub's nur, kein

Wort! Denn es iſt geradezu abſcheulich, was

Dir da ſchreibt!