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Genugthuung, daß der Himmel doch nicht alle Unnatur der Menſchen ungeſtraft hingehen läßt!— Dieſer Karl war einſt mein Liebling, wie keins meiner Kinder— und wie hat er mir meine blinde Affenliebe vergolten! Doch ſtill, ſtill, ſtill davon!— Zwiſchen ihm und mir be⸗ ſtand ſchon ſeit Jahren keine andere Gemeinſchaft mehr, als daß mein empörtes Herz mir nicht erlaubte, dieſem harten eitlen Menſchen die Wunden zu zeigen, die mir ſeine Fühlloſigkeit gegen mein Unglück geſchlagen hatte. — Aber als ich Sie, lieber Moſer, Sohn nennen durfte, da war auch dieſe Qual des beleidigten Vater⸗ herzens von mir genommen und nun iſt's gut— iſt's gut— Herr Carlos Franke weiß ſeit hente Morgen, daß ich ihn nur noch verachte!
Seine Augen wurden feucht, er preßte Ludwig mit Innigkeit an ſein Herz und ſagte bewegt:
Vergeſſen Sie aber mir zuliebe ja Alles, was wir ſoeben geſprochen haben; am Beſten, Sie laſſen Eliſabeth zeitlebens im Wahne, ich hätte ihres Bruders Engher⸗ zigkeit nie ſo recht empfunden und ſein wahrer jämmer⸗ licher Charakter ſei mir eigentlich niemals ganz klar geworden.
Nach dieſen Worten gieng er ſo raſch aus dem Saale, als fürchte er bei längerem Verweilen noch anderen Bedanken und Empfindungen ſeines Inneren Worte zu leihen.—


