Herzog habe es genehmigt, daß der Hamlet diesmal ohne Puder und Perrücken, ſondern in natürlichen Haar⸗ touren geſpielt werde, worüber der alte Theaterfriſeur ſo ſehr außer ſich gerathen wäre, daß ſie's vorgezogen hätten, ſich untereinander ſelbſt den Liebesdienſt des Lockenbrennens zu erweiſen, da lachte er zwar gleich⸗ falls herzlich über ſeine Einfalt mit, meinte aber doch, die Neuerung ſcheine ihm nicht für ein Stück zu paſſen, worin ein Geiſt aufträte, da dieſer doch unmöglich die neue Mode mitmachen könne. Denn wer einmal in einer Perrücke begraben worden ſei, der könne doch un⸗ möglich ſpäter in gebrannten Locken auf die Oberwelt zurückkehren.
Dieſe Bemerkung gab zu heiteren Gegenbemerkungen Anlaß. Zwei der Künſtler ſtimmten dem Pfarrer bei, die beiden Andern widerſprachen, bis der Alte zuletzt in ſeinem feierlichen Kanzelpathos ausrief:
„Haltet mir die ehrwürdige Perrücke in Ehren, Ihr jungen Weltſtürmer; denn ich ſage Euch, ſie war die treue Bruthenne für Eure ſchöne Kunſt, unter ihr hat Leſſing ſeine unſterblichen Kunſtgeſetze geſchrieben, unter ihr hat Ekhof dem deutſchen Volke die Schauſpielkunſt geſchaffen!— Denn was war das Theater vor ihm und was wird es über eine Weile nach ihm ſein?— Ach, ich


