Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

er erzählte ihm Alles, was er in ſeiner unglücklichen Ehe, zuerſt mit dem liederlichen Schwager, dann mit der eignen geliebten Gattin und zuletzt, damit der Docht ſeiner Unglückslampe völlig ausqualme, mit den beiden Rabenkindern Stephan und Betth durchgemacht habe; bis er jetzt— alt, krank und entmuthigt, auf alle dieſe ſo ſtandhaft ertragenen Schickſalsſchläge wie auf eben⸗ ſo viele unglückliche Bataillen zurückblicken müſſe, wo des edlen Blutes, des tapferen Schweißes ſo Viel ver⸗ gebens vergoſſen worden ſei.

Und im erſchütternden Jammerton, als ſtünde er mitten in einer Tragödie Shakespeare's oder Corneille's, und nicht in der Wirklichkeit ſeines eignen herben Schick⸗ ſals, rief er gewöhnlich am Schluſſe ſolcher Klagen ver⸗ zweiflungsvoll aus:

„Dagegen iſt ja ſelber das Herzeleid, welches mir mein armes Fränzchen bereitet, noch halber Balſam für mein krankes Gemüth, und ſeine Geſtalt ſteht wie ein liebreicher Troſtengel in Mitten ſo vieler verwüſteter und verſchändeter Lebenshoffnungen!— Zwar ihr Geiſt wandelt ſchon jetzt im halben Lichte der Verklärung dem ſchönen Jenſeits entgegen und immer ſieht ſie rückwärts, ob ich auch nicht allzuweit hinter ihr im dunklen Jam⸗ merthal zurückbleiben möge; aber ſie iſt doch noch bei