177
neuem ein Riß, denn er machte ſich Vorwürfe, daß er
ſich von einer raſchen Regung zu jenem noch nicht ein⸗ mal öffentlich gemachten Verlöbniß mit Johanna habe hinreißen laſſen. Der Grabhügel, welcher ſich über Frau Valentin's irdiſchen Reſten wölbte, erſchien ihm nun wie eine Brücke über die Kluft, die ſeither Julien von ihm getrennt hatte. Der Mutter Tod, der die Familienbande gelöſt, hatte Julien frei gemacht, und er war nun anderwärts gebunden.
Allein ver Rubicon war einmal überſchritten; Otte unterdrückte ſeinen ſtillen Kummer und nahm ſich vor, ſeinem Worte getreu zu bleiben, ſelbſt mit Opfern. Johanna liebte ihn ja auch und verdiente ſeine Nei⸗ gung, ſeine Achtung. Es fiel ihm in den erſten Tagen nach dieſer Begegnung mit Julien zwar ſchwer, Johan⸗ na's ſtürmiſche Zärtlichkeit zu erwidern, und er ſchob dieſe Mäßigung und Zurückhaltung, welche an einem jungen Verlobten auffallen mußte, auf die jüngſten Er⸗ lebniſſe, mußte ſich aber unwillkürlich ſagen, vaß Jo⸗ hanna ihn mit einem ſcheuen Argwohn, mit einer ſeltſa⸗ men Befangenheit meſſe, ſo oft er ſich deßhalb entſchul⸗ digte. Auch Herr Werner zeigte Otte gegenüber im⸗ mer eine gewiſſe Unruhe, als ob ihm irgend eine War⸗ nung, eine Mittheilung auf den Lippen ſchwebe, von
deren Aeußerung ihn ein unerklärliches Etwas abhalte. Mylius, Ein Meteor der Börſe. III. 12


