Teil eines Werkes 
1. Band (1872)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

198

Ach, reden Sie nicht davon es gilt ja nur einen kurzen Beſuch hier! verſetzte Ottilie lebhaft; meine Schulzeit iſt ja erſt in ſechs Monaten um!

Otte wollte etwas erwidern, da begegneten ſeine Augen denen Johanna's, welche mit einer erwartungs⸗ vollen Spannung an ſeinen Zügen hingen, als ob ſie ihm jedes Wort von den Lippen leſen wollte; ihr Ge⸗ ſicht ſchien noch bläſſer geworden zu ſein als zuvor. Otte ward mit Einem Male verlegen, wie wenn er ſich auf einer böſen That ertappt ſähe; er erinnerte ſich des Händedrucks, den er Johanna vorhin gegeben hatte, und mit einigen alltäglichen Phraſen beendete er die Unterhaltung mit Ottilien. Nachdem er noch Frau Werner begrüßt hatte, bat er den Hausherrn um Er⸗ laubniß ſich von dem kleinen Souper dispenſiren zu dürfen, weil er zu Hauſe erwartet werde.

Hab' ich es doch befürchtet, das Sie nicht bei uns bleiben würden, lieber Freund! ſagte Herr Werner; allein ich kann und will Sie nicht aufhalten, ſofern Sie mir verſprechen wollen, morgen Mittag in der Familie mit uns zu ſpeiſen. Ich begreife, daß Sie zu Hauſe erwartet werden, denn Ihre Freundinnen Va⸗ lentin werden nicht ohne Sie den heiligen Chriſt feiern wollen. Johanna ſoll Ihnen die Sachen dort zu⸗

ſenden!