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teten und Wellington ſah mit Bangen einem neuen An⸗ griffe entgegen, zu dem er die Feinde ſich vorbereiten ſah.
Die Sonne ſenkte ſich ſchon, der Abend brach bereits herein, und Blücher kam nicht.
Noch hatten die Franzoſen keinen Vortheil gewonnen, und mit bewundernswerther Standhaftigkeit hatten die engliſchen Truppen alle Angriffe der Uebermacht zurück⸗ gewieſen; aber jetzt nahte ein neuer, zu dem Napoleon ſeine berühmte Garde ſandte, und Wellington bangte, als er dieſe herannahen ſah. Seine Truppen waren erſchöpft, die Garde kraftvoll und todesmuthig, der Ausgang kaum zweifelhaft.
„Nun möchte ich, es wäre Nacht oder die Preußen kämen!“ ſagte er unruhig und beobachtete beſorgt die un⸗ geheuren Anſtalten der Franzoſen. Napoleon wollte den Sieg, den er nicht mehr für zweifelhaft hielt, noch vor der
Nacht erringen, und befahl deshalb einen allgemeinen
furchtbaren Angriff.
Schweigend ſtanden die ermatteten engliſchen Trup⸗ pen und ſahen die franzöſiſchen Colonnen heranrücken— da blitzte es drüben am Walde hell auf, Kanonendonner rollte dumpf über das Schlachtfeld und Truppenzüge wur⸗ den ſichtbar.
„Das iſt der alte Blücher, der hält Wort!“ rief Wellington freudig;„nun, Jungens, haltet euch tapfer, und wir werden ſiegen!“
1860. VIII. Gefangen und Befreit. 1


