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freundlichen Blockhauſe zu, das von tragenden Pfirſich⸗ bäumen ringsumher beſchattet ward.
Da ihm Niemand entgegen kam, murmelte er
lachend: Man merkt doch, daß noch kein Herr hier iſt, und trat unverzüglich in das offene Haus. Sein Erſtau⸗ nen war jedoch nicht gering, beim Oeffnen des Zimmers
eine ganze ſpeiſende Familie vor ſich zu ſehen, deren
greiſes Oberhaupt mit fragendem Blicke entgegenkam. „Willkommen, Herr!“ ſagte der alte, ernſte Mann
und reichte die Hand,„Sie kommen noch zurecht,
um unſer beſcheidenes Mahl zu theilen. Setzen Sie ſich, Herr, und Sie vorlieb.“
Und mit der herkömmlichen Gaſtfreiheit, die keinen Reiſenden ungeſpeiſt von ihrer Thür ſchickt, keinem Fremden ein Nachtlager verſagt— ward ſofort ein Ge⸗ deck für den Fremden aufgelegt und er zum Eſſen ge⸗ nöthigt, zu dem ihn der Weg mit kräftigem Appetite
verſorgt hatte. In Ermangelung eines Reitthieres war
der Reiſende ſeit Sonnenaufgang gewandert.
Als er geſättigt war, mußte er dem Wirthe Be⸗
ſcheid trinken und eine Cigarre anzünden— die Familie verſchwand aus dem Zimmer, und die erwartungsvolle Stellung des alten Herrn zeigte an, daß er bereit ſei, das Anliegen ſeines Gaſtes zu hören.
„Nach alledem, was ich geſehen habe,“— begann
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