40
di ges Fräulein, Ihr lieber Herr Bruder iſt ja der edelſte und beſte Junker auf der Welt— und ich wollte bei der gnädigen Frau Tante nur fragen, wie ſich Marie ver⸗ halten ſolle dem böſen Manne gegenüber, damit er ſie wenigſtens nicht Hungers ſterben laſſen darf. Er iſt ja reich und vornehm genug, der junge Herr von Brandach!“
Hätte man Anna ein Meduſenhaupt gezeigt, ſie hätte nicht heftiger erſtarren können, als bei dieſem Na⸗ men. Sie war unfühig, ſich zu bewegen und nur die Lippen ſtammelten mühſam fragend:
„Joachim von Brandach?“——
„Derſelbe iſt es, gnädiges Fräulein— o Gott, wie hätte ich nur ahnen können, daß Sie ſo erſchrecken und auf den lieben Herrn Junker Hans denken konnten. Ach, liebes, gnädiges Fräulein, zürnen Sie mir nur nicht.“——
Die Worte erſtarben ihr, als ſie jetzt zu Anna auf⸗ ſah. Bleich und ſtarr, die Angen geſchloſſen, war das junge Mädchen zurückgefunken, und die Bruſt wogte krampfhaft auf und nieder. Eine entſetzliche Qual malte ſich in den bleichen Zügen, die ſchmerzvoll zuckend arbei⸗ teten. Die Alte griff angſtvoll nach ihrer Hand und ſuchte die Leidende zu ermuntern. Die Hand war macht⸗ los und ſchwer— das Zucken und der Krampf wiche


