Zweites Capitel. Gewitterdräuen.
Der Freiherr von Harder hatte im letzten Jahre bedentend gealtert. Sein ſtolzer kräftiger Gang, der bis dahin noch immer gern den früheren Blücher'ſchen Huſaren durchblicken ließ, hatte viel von ſeiner Energie verloren, ſeine Haltung war etwas nach vorn gebeugt, wie wenn ſchwere Laſten auf ſeine Schultern drückten, und Haar und Bart waren noch mehr gebleicht. In ſei⸗ nen Zügen hatte die kräftige Energie mit dem Adler⸗ blicke einem finſtern Ernſte Platz gemacht, und die ſcharf gekniffenen Lippen ſchienen die Laſt der Sorgen zurückhalten zu wollen, die oft ſich ihm auf die Zunge drängte.
Denn der Freiherr klagte nie, ſelbſt nicht zu ſeiner nächſten Umgebung, und ſeit jener Unterredung mit Frau und Tochter, die Annen's Verlobung vorherging, und in der er ihnen die Lage ſeines Hauſes offenbarte, hatte er nie wieder ein Wort darüber geäußert.


