Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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zarten Züge und leicht und elaſtiſch, bei der Schön⸗ heit des jungen Morgens ſelber wie neugeboren, eilte ſie durch die Gänge dahin, mit ſtrahlenden Blicken die theure und bekannte Gegend grüßend.

Wie Alles grünte und blühte, wie heiter der Farbenſchmuck ihr entgegenlachte, wie köſtlich die Son⸗ nenſtrahlen mit den diamantenen Thautropfen ſpiel⸗ ten, wie würzig es ihr von allen Seiten entgegenduf⸗ tete, als ob der Garten ſeiner liebenden Schützerin ein Morgenopfer des Dankes bringen wollte!

Weiter und weiter eilte Anna, den leichten Ueber⸗ wurf über dem Hauskleide feſter zuſammenziehend, ihrem Lieblingsplatze zu. Da hoffte ſie auch Ernſt in der Nähe zu finden, und jetzt, gerade jetzt, unter dem Einfluſſe des erwachenden Morgens wollte ſie ihn ſehen, ihm zeigen, daß ſie noch immer ſeine Freun⸗ din und Schützerin ſei, die ſeine Liebe zu würdigen verſtände, ohne doch jemals ſie theilen zu dürfen.

Sie fühlte ſich ſo friſch und ſo kräftig, ſchaute ſo wohlgemuth dem neuen Tage entgegen, als hätte ſie niemals ein Opfer gebracht, niemals mit ihrem Herzen um ſeine beſten Güter gerungen— und ſie ihm abringen müſſen. Sie dachte nicht, wollte nicht denken an das, was ihr ſo ſchwer geworden war:—